links Feuern Sie Ihren Kunden vom 3. September 2010
7Haltungsturner Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach nennt zehn Gründe, seinen Social Media-Berater zu feuern.
Meine Liste mit schlauen Ratschlägen für Social Media-Berater ist weit kürzer:
1.) Lehnen Sie jeden Kunden ab, der Sie nach Checklisten aus dem Internet beurteilt.
links Einfluss von Social Media auf Politik(-mitarbeiter) vom 28. Juni 2010
Im Artikel E-Plus und “Digital Public Affairs”: Der Lobbyist als Agronom bei Marco Althaus’ “Public Affairs Manager” (btw: Ich mag Gunnar Benders Metapher vom Jäger vs. Bauern, sie passt auch auf Social Media PR generell) hat Bernd Buschhausen (@bebusch) auf eine Edelman-Studie (11/2009) über den Einfluss von Social Media auf Parlamentsmitarbeiter (pdf) hingewiesen:
49 der 50 befragten Bundestagsmitarbeiter informieren sich auch online zu politischen Themen. Dabei haben 42% bereits zuerst über online-Kanäle von einem politischen Issue erfahren. Ein knappes Viertel hat aufgrund von Online-Informationen schon seine Position geändert.
Diese Zahlen können und sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Massenmedien und persönliche Gespräche in ihrer Wichtigkeit immer noch weit vor Onlinekommunikation liegen. Sie zeigen aber auch, dass Stimmen im Netz nicht völlig ungehört verhallen, auch wenn es in der jüngsten Vergangenheit manchmal den Anschein hatte.
blog Eine persönliche Channel-Strategie: Fragenkatalog Beitrag über Blogging, Lifestreaming, Social Media, Social Media Workflow vom 16. Juni 2010
4Update: Ich habe diesen Artikel hier und da verlinkt und um Feedback über erwünschte Postingfrequenzen und Inhalte gebeten. Ich freue mich über einen kurzen Kommentar dazu.
Vor einigen Tagen habe ich angekündigt, dass ich ein wenig Ordnung in die Vielzahl an Plattformen bringen will, die ich für Input und Output im Social Web nutze. Folgende Fragen habe ich mir dazu gestellt:
- Mit welchen Personen/Gruppen bin ich in Kontakt oder wäre es gern?
- Wo bin ich das oder könnte es sein?
- Was will ich gegenüber den verschiedenen Grupppen erreichen? (Kommunikationsziel)
- Welche Botschaften dazu ggf. vermitteln?
- Welche Inhalte tragen dazu bei?
- Welche Formate können diese Inhalte haben?
- Woher beziehe ich die Inhalte?
- Wie kann ich die Inhalte mit verschiedenen Themen und Medienformaten über adäquate Plattformen möglichst effizient und ohne Streuverlust zu den richtigen Personen bringen
- Wie behalte ich den Überblick über News, an mich gerichtete Nachrichten und Reaktionen auf meinen Content?
Es geht mir in dieser Reihe nicht so sehr um die individuellen Ziele/Botschaften/Inhalte, sondern um die strukturelle Komponente, das “Channeling”, wenn man auf Marketing-Neudeutsch so will. Um maximal effizient zu sein, sollte ich auf der Output-Seite eine möglichst hohe Reichweite, besser: eine möglichst tiefe Durchdringung meiner erwünschten Zielgruppen haben, dabei wenig Streuverlust. Auf der Input-Seite sollte ein minimaler Aufwand stehen, außerdem eine möglichst vollständige Erfassung der Reaktionen, um den Dialog aufnehmen zu können.
Es liegt auf der Hand, dass man das nicht mit einem einzigen Tool schafft, sondern sinnvolle Verknüpfungen hermüssen. Viele meiner Kontakte haben ihren Twitter-Account mit Facebook verknüpft oder twittern ihre Blogeinträge. Diese Verknüpfungen können auch mehrstufig sein: Wenn ich eine Seite per Browser-Plugin via Google Reader empfehle, führt das zu einer Veröffentlichung in Google Buzz und Twitter, Twitter wiederum wird bei Facebook gespiegelt. Bei bis zu 20 beteiligten Plattformen, verschiedenen Medienformaten und Zielgruppen kann das zu vielen Problemen im Detail führen:
- Crossposting: Lässt sich kaum vermeiden. Ein Link, der für mich und andere interessant ist, erscheint im Extremfall bei Del.icio.us, Twitter, Buzz und Facebook. Vielleicht blogge ich noch darüber. Das kleinere Problem ist, dass Kontakte, die mit mir auf allen Plattformen verbunden sind, x-fach beschallt werden. Die große Herausforderung ist, bei anschließenden Diskussionen den Faden nicht zu verlieren.
- Doppelte Posts: Ein Blogpost wird über Twitter angekündigt, damit auch bei Facebook. Dort erscheint er aber durch NetworkedBlogs ohnehin. So kleistert man sich bzw. seinen Kontakten seinen Lifestream zu, ohne Mehrwert zu schaffen.
- Versehentliches Posting: Mal ein “private”-Häkchen nicht gesetzt und schon werden Bookmarks an 5 Plattformen hinausgepustet. Den falschen Account benutzt und der Frust über den Kunden (so was kenne ich natürlich nicht, ist ja nur ein Beispiel) landet als Status bei Xing. Solche Szenarien lassen sich durch möglichst klare Trennung von Tools und ein gutes Bewusstsein für den Informationsfluss vermeiden.
- Loops: Manche Dienste sind clever genug, dass das nicht passieren kann. Hier und da könnte aber eine Nachricht von Dienst A über B zu C und von da wieder zu A etc. gehen. Unschön.
- Verstümmelung des Posts: Die unterschiedlichen Möglichkeiten der Dienste können dazu führen, dass eine Nachricht unbrauchbar ankommt, zum Beispiel ein Post von Buzz oder Facebook, in dem der entscheidende Link aufgrund des 140-Zeichen-Limits abgeschnitten wird.
So weit zu den Fallstricken in der Verknüpfung. Für die einzelnen verwendeten Tools fallen mir folgende Auswahlkriterien ein:
- Input-Seite:
- möglichst gute Unterstützung des Mediums (Foto, Links, Video, längere Texte…)
- einfache Eingabe durch mobile Anwendung (App) / Browser-Plugin / Desktop Client
- Möglichkeit des Exports als RSS oder über eine API
- Zukunftssicherheit: Der Content sollte auch in der Web-Ewigkeit von drei Jahren noch abrufbar sein (ein Problem, das mit den beliebten URL-Shortenern noch auftreten könnte, aber das verdient vielleicht einen separaten Post). Am sichersten ist die eigene Domain und Hosting auf dem eigenen Server.
- Output-Seite
- möglichst breite Unterstützung aller Medien
- breite Akzeptanz unter den potentiellen Empfängern
- Möglichkeit zu Kommentaren/Reaktion und zum Abruf dieser Reaktionen per RSS etc.
- Importmöglichkeiten per API oder RSS
- Nachtrag: Offenheit/Geschlossenheit ist natürlich wichtig. Für persönliche Nachrichten wäre ein geschlossener Dienst sinnvoll, während meine öffentlichen Posts ein möglichst breites Publikum finden sollen, also möglichst auf einer offenen, ohne Anmeldung zugänglichen und von Google indizierten Plattform erscheinen.
Ist diese Bewertung vorgenommen, kann es konkret an die Verknüpfung gehen: Buzz zu Twitter? Twitter zu Buzz? Del.icio.us über Buzz zu Facebook? Von da weiter zu Twitter? Was wird der Fokalpunkt in diesem Bild? Martin Koser entscheidet sich in seinem lesenswerten und linkschweren Artikel “Aggregation, syndication and the delicacies of smart knowledge worker workflows” für Google Buzz. Großer Vorteil ist die gute Integration mit anderen Diensten, große Flexibilität, was den Content-Typ angeht, und das Angebot an Plugins und Clients. Gerrit hostet lieber selbst mit Wordpress und dem Theme P2. Entsprechende Ressourcen zur Entwicklung vorausgesetzt, bietet diese Lösung in puncto Flexibilität die gleichen Vorteile, bei Integration und Clients wird es schwierig. Dafür ist der Fortbestand von Content und Links gesichert. Die Verknüpfung wird Gegenstand des nächsten Posts sein.
Alle Beiträge der Serie finden sich unter dem Tag “Social Media Workflow“.
blog Social Media-Fragmentierung und Workflow Beitrag über Blogging, Google Buzz, Social Media, Social Media Workflow vom 13. Juni 2010
3Angeregt durch Martins Session zum “Knowledge-Worker-Workflow” beim Barcamp Bodensee habe ich mir vorgenommen, meinen Online-Output auch noch einmal zu ordnen und effizienter zu gestalten. Aus den Fortschritten dabei werde ich eine kleine Serie mit dem Titel “Social Media Workflow” machen.

Martins Wissens-Workflow – Links zu weiteren Konzepten in seinem Blogpost
Zum Auftakt habe ich aufgelistet, an welchen Punkten ich Content kreiere, kommentiere oder weiterreiche, meine “Outlets” sozusagen. Das hat mich geplättet:
aktiv:
- Twitter (+ Favourites)
- del.icio.us
- dieses Blog
- Google Reader (Empfehlungen)
- last.fm
- Flickr
- Kommentare in anderen Blogs etcpp.
reaktiv/derzeit inaktiv:
- mein altes privates Blog
- Twitter: achinger
- Google Buzz (Bisher nur durch Google Reader befüllt)
- Friendfeed
- Slideshare
- Dopplr
Hinzuzählen könnte man noch Amazon und Wikipedia, dort bin ich aber nur sehr sporadisch aktiv.
Die Blogs, Twitter-Accounts und Facebook-Seiten, die ich beruflich und ehrenamtlich betreue, lasse ich außen vor. Sie spielen für meinen persönlichen Social Media-Workflow erst einmal keine Rolle. Allerdings erwarte ich, dass ein durchdachtes Konzept zum Verteilen und Einsammeln von Nachrichten in modifizierter Form auch übertragbar sein wird.
Alles in allem ergeben sich 15-20 Kontaktpunkte mit unterschiedlichen Inhalten und Publika. Es könnte sich lohnen, diese medialen Baustellen gut zu organisieren. Vielleicht komme ich dann auch wieder öfter zum Bloggen. Fortsetzung folgt.
blog Wenn sich der Staub legt und alles noch steht Beitrag über Krisenkommunikation, Nestlé, NGOs, Schaden, Social Media vom 21. April 2010
3
Ausbruch des Eyjafjellajökull, Foto von Sverrir Thor
“PR-Super-GAU”, “Social Media-Desaster”, “Web 2.0-Debakel”: Wenn es im Social Web knallt, kommen schnell alle herbeigelaufen, besserwissern um die Wette und bestaunen die Staubwolke. Wenn die sich gelegt hat und man das Ausmaß des tatsächlichen Schadens erkennen kann, sind die Social Media-Knallzeugen schon weitergezogen. Dabei gibt es neben vielen Geschichten der Marke “nicht so heiß gegessen wie gekocht” auch reale Auswirkungen virtueller Kritik. Die müsste man jetzt nur noch im Vorfeld auseinanderhalten können. Drei Beispiele für Social Media-Krisen, ihre mutmaßlichen oder tatsächlichen Folgen und ein paar Fragen:
Vor gut einem halben Jahr stand Jack Wolfskin aufgrund seiner Abmahnungen gegen Kleinstunternehmer im Kreuzfeuer der Blogosphäre. Von “PR-Desaster” war die Rede, ein “Super-GAU für die Marke”. Aber wenn wir ehrlich sind, bemerkt Jack Wolfskin die Blogger, die aus diesem Grund nun keine Jacke mit Tatze kaufen, nicht einmal als Knick in der Statistik. Mittlerweile ist bei einer Google-Suche nach dem Markennamen nur noch der Spiegel-Artikel unter den ersten zehn Suchergebnissen zu finden (auch im Wikipedia-Eintrag kommen diese und weitere Auseinandersetzungen vor) und wird meiner Meinung nach kaum jemanden vom Kauf abhalten. Warum? Weil die “Affäre” keinen direkten Produktbezug hat und die wenigsten Konsumenten direkt betrifft. Eine Rückschau und Linksammlung zum Fall findet sich im Social Media PReview.
Ebenfalls im PReview, und zwar im Mittagstisch Nr. 2, rechnet Timo Lommatzsch nach (ca. ab 27:30), welcher finanzielle Schaden Domino’s Pizza durch die Youtube-Ekelvideos zweier Angestellter (Zusammenfassung incl. der sehr guten Reaktion) entstanden ist: Der Laden, in dem die Videos aufgenommen wurden, musste aufgrund von Umsatzeinbrüchen von über 50 Prozent schließen. Rund 15 Angestellte verloren ihre Jobs. Domino’s schätzt den landesweiten Schaden laut einem Pressebericht auf 1-2 Prozent ihres Umsatzes. Bei 3,1 Milliarden Gesamtumsatz wären das 34 bis 68 Millionen Dollar, nur durch einen unüberlegten Scherz! Kein Wunder: Auch im Wissen, dass die Videos gestellt waren, bekam man die Bilder beim Anblick einer Pizza für eine Weile nicht aus dem Kopf.
Den Effekt, den die beiden Angestellten wahrscheinlich eher versehentlich auslösten, machte sich Greenpeace zuletzt professionell zunutze: Die Umweltschützer beschuldigen Nestlé, mit ihrer Einkaufspolitik Regenwaldzerstörung zu unterstützen und den Orang Utan zu gefährden. Auch offline fanden Protestaktionen statt, Kern der Kampagne war aber ein Online-Schockvideo, in dem ein Büroangestellter unter den angewiderten Blicken seiner Kollegen auf einen Orang Utan-Finger anstelle eines Schokoriegels beißt. In den Tagen nach Veröffentlichung des Videos und unbeholfener Reaktionen des Konzerns gingen zehntausende Kommentare auf den Facebook-Seiten von Nestlé und KitKat ein und per Twitter um die Welt. Einige Social Media-Experten hatten mit dem Konzern regelrecht Mitleid und sahen in der Online-PR-Schlacht Greenpeace in der Rolle des Goliath. Mit der Professionalität, mit der viele NGOs das Social Web nutzen, können die meisten Konzerne in der Tat nicht mithalten.
Nahezu einig waren sich alle, dass diese Kampagne einen immensen Schaden angerichtet habe. Klingt zunächst logisch bei all dem Wirbel, aber wie äußert sich das? Der Entwicklung des Aktienkurses hat die Kampagne langfristig wohl nicht geschadet, selbst der kurzfristige Einfluss ist zu bezweifeln. Ist der Absatz eingebrochen? Nestlé wird es uns nicht sagen. Wer einen Tankstellenbetreiber oder Supermarktinhaber kennt, könnte eine Stichprobe ziehen. Ich habe Anfang des Monats Brian Melican losgeschickt, und zwar nach Croydon, London, den Sitz von Nestle im UK.

Brian Melican, Foto von Iris Jungels
Brians Bericht in Kürze:
Befragte: 6 Engländer, Alter 20-30
Datum: 2. April, Karfreitag
Kontext: KneipengesprächDie Demonstration war fast allen bekannt, also hat sich die Aktion in Sachen Medienaufmerksamkeit und Mundpropaganda behauptet. Das Kaufverhalten wird aber wohl wenig geändert – vor allem wegen Ostern ist Schokolade hoch im Kurs und keiner will auf Nestle-Schokolade verzichten.
Zitate:
“Of course it’s not right that they’re ripping down trees for orangutans, but KitKat Chunky are just soooo good.”
“I’m not going to stop buying KitKats because of it – I like biting off the chocolate round the biscuit and you can’t do that so well with other chocolate bars.”
“It’s Easter and I want a KitKat easter egg for chist’s sake! F*** the orangutans.”
Gut, diese Umfrage ist alles andere als repräsentativ. Vor allem aber ist sie für jemanden, der sich größtenteils im Social Web bewegt und informiert, völlig kontraintuitiv. Es haben sich doch alle entrüstet, oder?
Wir haben hier ein vom Unternehmen angestoßenes Issue (Abmahnungen), eine “Grassroots-Geschichte” (Ekelvideos) und eine koordinierte Attacke (Orang Utan). Sie unterscheiden sich in Konstellation der Beteiligten, Themendimension und Auswirkungen. Gemeinsam ist ihnen aber, dass sie für einige Tage “Aufmacher” der Blogosphäre waren. Wer spürt einmal mit wissenschaftlicher Methodik den “Erfolgsfaktoren” von solchen Social Media-Aufregern nach? Ich könnte mir vorstellen, dass es Unternehmen und NGOs gibt, die eine solche Studie fördern würden.
Einen Schluss wage ich schon selbst aus diesen und anderen beobachteten Fällen zu ziehen: Für die realweltlichen und wirtschaftlichen Auswirkungen ist die schiere Menge der negativen Online-Äußerungen nachrangig. Wie beim Eyjafjallajökull: Entscheidend ist nicht die Staubwolke allein, sondern die Reaktion, die sie hervorruft.
Ergänzung: Jeremyah Owang führt eine lange Liste von Marken, die ins Social Media-Kreuzfeuer gerieten.
blog Nestlé-Fanpage im Palmöl-Sturm: Longtail-Verteilung bei Kommentaren und Usern, Bezug auf Produkte und Menschen Beitrag über facebook, Greenpeace, Nestlé, Palmöl, Social Media vom 27. März 2010
3Während der Palmöl-Kampagne von Greenpeace UK ging ein Sturm von Kommentaren auf die Facebook-Fanpage von Nestlé nieder. Die zahlenmäßige Entwicklung habe ich in meinem letzten Post visualisiert. Nach dem großen Interesse daran und einigen Nachfragen habe ich noch andere Daten aufbereitet.
Dass die Kommentare ab dem 19.3. teilweise im Sekundentakt eingingen, konnte man unschwer erkennen. Um ihren Inhalt zu verstehen, hilft es mehr, ein paar Stichproben zu lesen, als sich auf eine aggregierte Darstellung zu verlassen (wer jetzt die Seite besucht, kann zum Beispiel feststellen, dass die moderaten und Boykott-kritischen Kommentare im Verhältnis zunehmen), eine statistische Visualisierung wie eine Wordcloud kann aber eine gute Ergänzung sein. Sie hilft, die Stichproben statistisch einzuordnen und liefert Anhaltspunkte für neue Suchen. Das hier sind die meistverwendeten Worte an der Pinwand von Nestlé diesen März bis zum Mittag des 25.03.:
Um die Abstufungen sichtbarer zu machen, habe ich “Nestle” herausgenommen. Um die Wahrnehmung nicht zu verzerren, habe ich für diese Grafik keine Farbe verwendet. Beide Wordclouds wurden mit Wordle erstellt.
“Nestlé” und “Palmöl” sind erwartbar. Gleich danach kommen “Produkte”, “Leute”, “Unternehmen”, “nur” und eine Reihe abfällige Worte.
Bei einigen Worten ist der Bezug eindeutig:
“I’m actually finding some really good Nestle replacements here – they might be preferable to your products even once the boycott is over.”
“No Nestle products for me while this goes on.”
“I for one will not be purchasing your products any more…”
Wiederum zu “company” – “Unternehmen” – sind die Stimmen heterogen. Während eine einzelne sehr aktive pro-Nestlé-Aktivistin immer wieder darauf hinweist, dass der eigentliche Übeltäter das Unternehmen Sinar Mas ist, belegen viele User das Unternehmen Nestlé mit Attributen wie “böse”.
Auch der Begriff “people” fällt in mehreren Facetten, mal in Bezug auf die Macht der Massen, mal in Bezug auf die Mitarbeiter von Nestlé. An dieser Stelle wäre eine detaillierte Analyse von Tonalitäten und Assoziationen zu einzelnen Begriffen interessant.
Beim Besuch der Facebook-Seite und beim Auswerten sind mir einzelne Protagonisten mehrfach aufgefallen. Ich habe mich gefragt, inwieweit es sich bei diesem Kommentarsturm um eine breit angelegte Grassroots-Bewegung oder das Werk weniger stark involvierter Aktivisten handelt. Wie verteilt sich also die Zahl der Kommentare auf die User?
Auf der X-Achse ist hier die Anzahl der Kommentare pro User von 1 bis 51 aufgetragen, die Y-Achse zeigt die Zahl an Usern, die diese Zahl von Kommentaren abgegeben haben.
Die überwältigende Mehrheit der User schrieb nur einen einzigen Kommentar. Andererseits schrieben 10% der User 1001 Kommentare, also gut 40% der Beiträge. Eine klassische Long Tail-Verteilung.
Hier noch einmal die gleichen Zahlen mit vertauschter X- und Y-Achse:
Diese Daten genügen nicht als Basis einer sinnvollen Interpretation, fügen den zum Teil immer noch geführten Diskussionen über den “Nestlé Fail” und die richtige Kommunikationsstrategie aber ein paar Fakten hinzu.
Vorgehen:
Auch diesmal habe ich XPather und Scrapy zum Auslesen der Daten aus der HTML-Seite verwendet. Die Kommentare haben den XPath “//div[@id='profile_minifeed']/div/div/h3/span[2]“. Die Namen liest man am einfachsten über den Alt-Tag der Bilder aus, so erfasst man Beiträge auf jeder Ebene der Diskussion (Pinwandeinträge und Kommentare zu Pinwandeinträgen). Der XPath dafür ist “”. Es soll zwar auch über die Facebook Developer Tools gehen, aber der erste Weg funktioniert für mich. Die Sortierung und Auszählung der Namen geht schnell und einfach in der Kommandozeile (Linux natürlich ;-) ) mit “sort” und “uniq -c”. Die Diagramme habe ich dann wieder in Openoffice erstellt.
I’m actually finding some really good Nestle replacements here – they might be preferable to your products even once the boycott is over.
blog Nestlés Facebook-Fanpage: Entwicklung einer Krise Beitrag über facebook, Greenpeace, Krisenkommunikation, Nestlé, Palmöl, PR, Social Media vom 24. März 2010
23Knuddelige Menschenaffen, ein bösartiger Großkonzern. In Szene gesetzt in einem Video, in dem Blut an einem Schokoriegel klebt. Und Greenpeace als treibende Kraft hinter der Kampagne. Im euphemistischen PR-Sprech ausgedrückt: Das ist kein Gewinnerthema für Nestlé.
Über Nestlé, Greenpeace und die Kampagne selbst, die sich gegen den Einsatz von nicht nachhaltig angebautem Palmöl wendet, finden sich alle wichtigen Fakten schnell bei Google. Hier sei nur auf den reflektierten Beitrag von Mirko Lange hingewiesen, der die Fakten hinter der Greenpeace-Argumentation kritisch beleuchtet. Eine Chronologie der Ereignisse für diejenigen, an denen die Geschichte bisher vorbeigezogen ist, veröffentliche ich noch.
Gerade geht es mir um einen Ausschnitt der Debatte: Viele PR-Blogger haben vermutet, dass die Greenpeace-Kampagne ohne die Reaktionen Nestlés weniger wirkungsvoll geblieben wäre. Intuitiv habe ich mich dem angeschlossen: Schon der Versuch, juristisch gegen die Verbreitung des Videos vorzugehen, wird dem Unternehmen nicht geholfen haben. Und so gut das Video und die ganze Kampagne auch inszeniert war, der eigentliche Sturm der Entrüstung brach verspätet los und wäre in dieser Heftigkeit vielleicht ausgeblieben, hätte ein unbeholfener Community-Manager die ohnehin empörten Gelegenheits-Aktivisten nicht gänzlich gegen sich aufgebracht.
Um die Entwicklung auf der Facebook-Seite ein wenig besser nachvollziehen zu können, habe ich mir die reinen Zahlen angesehen. Dazu habe ich die Kommentare seit Beginn der Palmöl-Kampagne mit Zeitstempel ausgelesen und auf eine Zeitachse aufgetragen (zum Vorgehen s.u.). Heraus kam dies:
Man sieht deutlich, dass schon an den ersten beiden Tagen der Kampagne mehr Kommentare eingingen als zuvor. Allerdings hielt sich die Debatte noch in Grenzen, verglichen mit dem, was noch kommen sollte. Am Mittag des 19. März explodierten dann die Zahlen. Was war da los?
200 (!) Kommentare gingen auf die Bitte ein, das Firmenlogo nicht zu verwenden und zu verändern – viele mit veränderten Nestlé-Logos als Profilbildern. Klassisches Beispiel von Reaktanz. Man fragt sich, wer auf die naive Idee kam, diese Bitte würde irgend eine positive Wirkung haben und nicht als grotesk deplaziert aufgefasst werden. Damit nicht genug, der Administrator wird richtiggehend patzig. Der Ton der Aktivisten und Sympathisanten ist härter, von einem Unternehmen erwartet man aber eine andere Sprache. Die Diskussion wird hitzig. Dabei muss man im Auge behalten, dass jeder Kommentar auf der Nestlé-Fanpage auch im “Lifestream” der Kommentatoren auftaucht, also auf den Facebook-Startseiten all ihrer Kontakte. So ergibt sich schnell eine latente Reichweite von 20.000 Menschen, die knapp 100.000 “Fans” der Nestlé-Page und zufällige Besucher nicht einbezogen. Diese Diskussion könnte für die kritische Masse gesogt haben, die für die weitere Verbreitung des Themas gesorgt hat. Ganz sicher ist das natürlich nicht.
Nehmen wir uns nur die stündlich hinzukommenden Kommentare vor, ist der Peak wesentlich deutlicher zu sehen:
Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nestlé hat nicht alles, aber sicher einiges falsch gemacht. Für eine Bewertung ist es noch zu früh. Der Fall ist aber jetzt schon ein interessantes Lehrstück. Die Zahlen zur Entwicklung der Kommentare können vielleicht ein wenig zum Verständnis seiner Mechanismen beitragen. Wenn ich dazu komme, werde ich mit den Daten in den nächsten Tagen weitere Analysen beginnen. Beispielsweise interessiert mich, von wie vielen verschiedenen Autoren die Kommentare stammen: Sind es 10-20 sehr aktive Kritiker oder wirklich eine große Zahl von aufgebrachten Konsumenten? Wie verlaufen Diskussionsstränge? Wie hoch ist der Grad an “Interlinkage”, an gegenseitiger Bezugnahme und Wortwechsel? Weitere Fragen und Ideen gern per Kommentar zu diesem Beitrag.
Zum Vorgehen (Achtung, ab hier könnte es ein wenig technisch werden):
Zunächst war Handarbeit angesagt, um auf der Facebook-Fanpage von Nestlé die älteren Kommentare bis zurück zum Februar zu laden. Das ließe sich auch automatisieren, ich hielt das für die einmalige Anwendung aber für übertrieben. Während des Klickens kann man auf dem anderen Screen ja Mails lesen. Dann habe ich das Ergebnis gesichert, indem ich die HTML-Seite gespeichert habe.
Die Seite konnte ich dann mit einem Parser nach den Timestamps der Kommentare durchgehen. Als Kommandozeilentool auf Python-Basis empfehle ich Scrapy, um im Browser die Pfade auszulesen, ist die Firefox-Extension XPather ein gutes Tool. Wenn man so was öfter macht, deutlich komfortabler als Debugging-Tools wie Firebug.
Die XPaths für die Facebook-Timestamps sind “//div/div[2]/abbr/@title” und “//span/span[1]/span/a”. Man bekommt eine erst mal unbrauchbare Liste mit “Gestern um …” und “xx.xx.xx xx:xx:xx -7:00″, das ist aber nichts, das sich in einer Textverarbeitung nicht durch Suchen-Ersetzen lösen lässt.
Als letzten Schritt habe ich die Liste mit den Timestamps in eine Tabellenspalte eingefügt und in einer Zeile eine Zeitachse mit dem Intervall 1h ab dem 17.03. aufgetragen. Per IF-Abfrage (1 bei Intervallbeginn<x<nächster Intervallbeginn) wurde “1″, sonst “0″ gesetzt.
Indem ich anstelle der Zahlenwerte Hintergrundfarben gesetzt habe, entstand in der Matrix ein erstes Ablaufdiagramm. Dieses Diagramm war aber 1. verpixelt, 2. schwer zu handhaben und fraß 3. eine Menge Rechenleistung auf dem Laptop. Also habe ich die Zahlen für jede Spalte, sprich: jede Stunde addiert und die einfachen Diagramme oben daraus gemacht.
Es kann gut sein, dass mir irgendwo Daten verloren gegangen sind. Ich habe kaum doppelt geprüft, schließlich handelt es sich hier eher um eine Fingerübung. Freue mich dennoch und gerade deshalb über konstruktive Kritik.
Wer an Details interessiert ist, erreicht mich über Twitter, Xing oder Facebook.
links Mehrzahl der US-Journalisten nutzt Social Media für die Recherche vom 26. Januar 2010
1“Von den befragten Journalisten gaben 89 Prozent an, dass sie für Recherchen Blogs durchsuchen. 65 Prozent greifen auf Social Media wie Facebook oder LinkedIn zurück und 52 Prozent nutzen Microblogging-Dienste, zum Beispiel Twitter, um an Informationen und Geschichten zu kommen. Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie ist, dass 61 Prozent der Umfrageteilnehmer in Wikipedia, der Online-Enzyklopädie, recherchieren.”
Es fehlt Social Media aber nach Meinung der Befragten an Glaubwürdigkeit.
Meistgenutzte Quelle ist nach wie vor der Kontakt zu PR-Verantwortlichen.
Cision-Umfrage in den USA: Mehrzahl der Journalisten nutzen Scial Media für Ihre Recherche (via @tknuewer)
Mein kurzes Fazit: Social Media setzen in Teilen bereits die Agenda, es gibt für die dort aufkommenden Themen aber noch erhebliches Framing-Potential durch beteiligte Akteure.
blog Der den Buzz reitet… Beitrag über Buzzriders, Käuferportal, Robert Basic, RobGreen, Social Media, Startups, twitter, Viral Marketing vom 19. Januar 2010
5…aber wohin? Heute hat Robert Basic, der mit der Versteigerung seines Blogs Basic Thinking für knapp 47.000 Euro ein Rekordergebnis einfuhr (zugegeben: viel mehr solche Verkäufe gab es bisher auch nicht), auch noch seinen Twitter-Account @robgreen abgestoßen, um sein neues Projekt “Buzzriders” zu finanzieren - zumindest sollte man das für ein paar Stunden glauben.
Beim glücklichen Käufer “Käuferportal” gingen mehr kopfschüttelnde Mitleidsbekundungen ein als Gratulationen. Was ist schließlich ein Twitter-Account wert ohne die Inhalte, denen er seine Aufmerksamkeit verdankt? Der Transfer des Blogs Basic Thinking, das ich völlig ohne Zynik gern die Bild-Zeitung des Web 2.0 genannt habe, weil es ähnlich stark polarisierte, vor allem aber die Agenda der deutschen Blogosphäre maßgeblich beeinflusste, war noch zu stemmen. News aus dem Social Web und zu Technologiethemen können auch andere zusammentragen. Den Twitter-Account dagegen habe ich allein aufgrund der Person dahinter verfolgt – und mit deren erklärtem Abgang aus meiner Liste entfernt.
“Reingefallen!” hieß es schon rund zwei Stunden später: Der Account wurde wieder von Robert übernommen. Alles war eine schon länger vorbereitete Aktion, um “Buzz” zu erzeugen. Gewisserweise ist das gelungen, wenn es verglichen mit dem Blogverkauf auch eher ein laues Lüftchen im Wasserglas war und nicht wenige verstört bis verärgert hat. Roberts Kontakte wollten sich eben nicht im wahrsten Sinne des Wortes für dumm verkaufen lassen. Im Moment sieht es so aus, dass in absoluten Zahlen Robert mehr Follower verloren hat, als das Käuferportal hinzugewinnen konnte.
Roberts gesundes Selbstbewusstsein jucken die kritischen Stimmen bei Twitter und in den Blogs über den Verlust seiner Glaubwürdigkeit wenig. Auch der Follower-Schwund (der bei der ersten Ankündigung eines Account-Verkaufs noch deutlicher war) nicht. Als eine Art Reputations-Märtyrer im Dienste seines Startups nimmt er die Angriffe in Kauf: “Käuferportal ist mit einem Schlag ein ganzes Stück weit bekannter im Netz, Buzzriders nochmalig und erneut genannt worden, und ich als Blitzableiter habe die allermeisten, negativen Kritiken auf mich vereint, perfekter geht es nicht.” Erinnert mich ein wenig an Ehssan Darianis “Radaumarketing“: Auch da ging es darum, mit kontroversen Aktionen für eine Firma Buzz zu erzeugen und die negativen Reaktionen auf eine Person umzuleiten.
Das alles also, um die Bekanntheit von (vermeintlichem) Käufer und (vermeintlichem) Verkäufer zu steigern.
“Buzzriders ist im Vorfeld der Alpha-Phase (“klickbare Webseite”) das bekannteste Projekt im Deutschen Web, Punkt.”
Ob das so ist, lassen wir dahingestellt. Zumindest ist der Name wieder durch diverse Blogs gegeistert, dieses eingeschlossen. Aber im Gegensatz zu Buzzriders hatte Radaumarketer Dariani ein fertiges Produkt, und die frechen Aktionen, die teilweise weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinausgingen, trafen den Nerv der Zielgruppe. Wessen Nerv trifft die Twitter-Verkaufsaktion? Geht der “Buzz” überhaupt über die Szene, in der “Buzzriders” ohnehin (bisher als “ewiges Stealth-Mode-Projekt“) bekannt ist, hinaus? Welches Medium jenseits der Blogosphäre wird morgen, wie zu Zeiten des Blogverkaufs, berichten?
Worüber sollten sie auch schreiben? Man erfährt bisher nicht viel vom künftigen Stern am Himmel des lokalen Web. Vielleicht wird es ein großer Wurf, aber ist nicht bald schon das Pulver verschossen? Auch was “Käuferportal” eigentlich genau anbietet, weiß ich immer noch nicht. Ich hätte mich informieren können, es spielt für die Aktion aber keine Rolle und interessiert mich persönlich nicht besonders. Ich vermute, anderen, die auf die PR-Aktion reagiert haben, geht es ähnlich. Eine weitere Luftblase. Buzz ohne Inhalt. Ein “Hallo Welt” als Kampagne. Da hätte ich von einem, der die Welt der Social Media so gut kennt, mehr erwartet – oder zumindest erhofft.
Man kann den Buzz totreiten. Oder ihm Futter geben, zum Beispiel durch ein überzeugendes Produkt.
Es heißt, ein laufendes Pferd braucht keine Sporen.
blog Was jetzt gerade im Social Web passiert Beitrag über Games, Mobile, Social Media, statistik vom 16. Januar 2010
1Gary Hayes hat eine Flash-App entwickelt, die das atemberaubende Tempo der Social Media-Entwicklung und -Produktion veranschaulicht:
Das Tempo in den Märkten Mobiltelefonie und Onlinespiele steht dem in nichts nach.
Die zugrundeliegenden Zahlen sind zwar schon ca. 4 Monate alt (Quellen auf Garys Seite verlinkt), das Tempo wird sich aber nicht verlangsamt haben. Wie viele Nutzer hat Facebook während des Lesens der letzten 4 Sätze hinzugewonnen?








