blog Social Media sind wie Hip Hop Beitrag über Hip Hop, Social Media, Subkultur vom 11. Januar 2010
2“It’s the level of gangster rapper in you that makes you succeed or fail in social media.”
Kein ganz neuer Gedanke für mich. Den Bezug speziell zu Gangster-Rap sehe ich zwar nicht – dafür fehlt das aggressive Gehabe. Doch auch wenn Irokesenschnitte in Rap-Videos eher selten zu sehen sind, sind die Parallelen zwischen (gutem nonkommerziellem) Hip Hop und Social Media offensichtlich:
- Remix and Share: Hip Hop Beats bestehen aus “Samples”, Versatzstücken anderer Songs, oft Musikklassikern. Die Diskussion darüber, ob das Urheberrecht, wie wir es kennen, noch zeitgemäß ist oder nicht von der Realität überholt ist oder die Entwicklung bremst, hatte die Hip Hop-Szene schon zu Zeiten des Biz Markie-Urteils.
- Props: Anderen Respekt geben durch “shout outs” ihrer Namen – eine Art Hip Hop-Blogroll, die die Künstler verlinkt. Daraus entstehen auch nach außen hin sichtbare Netzwerke.
- Quotes: Gute Metaphern und Zitate werden weitergereicht wie Retweets: 50 cent (In Da Club): “Banks told me go ahead switch your style up, and if they hate then let ‘em hate and watch the money pile up”. Kanye West (Good Life): “50 told me go ahead switch your style up…” – Im übrigen nicht der schlechteste Rat.
Bei der Gelegenheit darf ich eine Typographie-Perle mit Hip Hop-Zitaten empfehlen. - Realness: In keiner anderen mir bekannten Musikrichtung geht es so sehr darum, dass der Musiker seine Inhalte repräsentiert. Wen interessiert es, ob Kylie Minogue gerade wirklich verliebt ist? Im Hip Hop ist die Glaubwürdigkeit elementar. Wie in Social Media, wo blitzschnell Zusammenhänge hergestellt und falsche Masken enttarnt werden können. You better walk the talk.
- Rap Name: Pseudonyme sind nicht nur im Hip Hop, sondern seit den Internet-Anfangstagen besonders unter Hackern beliebt. Social Media hat sie auf ein neues Niveau gehoben, denn auch bei “seriösen” Teilnehmern wundert sich niemand mehr darüber. Viele sind teilweise unter ihrem Pseudonym besser bekannt als unter Klarnamen. (Wer auch einen Rap Name will, dem hilft der Rap Name Generator)
- Freestyle: Spontaneität wird in beiden Kulturen großgeschrieben. Was für den einen die Jams und Open Mics sind für die anderen die Barcamps, die spontan organisierten Social Media-Konferenzen sind Freestyle-Kongresse. Da müssten an ihrem Rand noch nicht einmal Präsentations-Freestyles und Battles stattfinden.
- Beef: Konflikte werden direkt, offen und polemisch ausgetragen. In meinen Augen immer noch zu wenig, denn Ideen wachsen selten an Einstimmigkeit.
- Von Slang und anderen Merkmalen, die jede Subkultur auszeichnen, will ich gar nicht anfangen. Nur eins noch:
- Fame: Kann man nicht kaufen, sondern sich nur verdienen. Respekt (oder Reputation) baut sich langsam auf, als Produkt von Worten und Taten. Als Idealist glaube ich nicht an den langfristigen Erfolg des Gangster-Rappers in Social Media.
“Me, I got no jewels on my back. Why? I don’t need ‘em, I got your respect!” (KRS-ONE)
Gibt es weitere Parallelen zwischen Hip Hop-Kultur und Social Media? Oder alles whack sh** und Social Media sind in Wirklichkeit härtester Punk?