links Das Dilemma der Vorträge über “Die digitale Welt” | bertdesign.de vom 7. Juli 2010

Markus Bertling hat einen "lebenden Blogeintrag" als Google Wave begonnen. Diese Einsatzmöglichkeit von Wave ist ein sehr spannender Weg, die lineare Diskussionsstruktur von Blogkommentaren* aufzubrechen, konstruktive Konversation zu fördern und damit natürlich auch Leser zu binden.

Ach ja, es geht um einen Vortrag über "Digital Thinking" und darum, dass Diskussionen über Social Media aufgrund sehr unterschiedlichen Wissensstandes im Auditorium schnell zerfasern.

*Ja, Plugins und Themes wie P2, die einen forenähnlichen Kommentarstrang erlauben, sind mir bekannt.

Zur Seite http://bertdesign.de/netzleben/das-dilemma-der-vortraege-ueber-die-digitale-welt#comment-720

links What This Author’s 674,716 Facebook Fans Mean About ‘Fans’ – Advertising Age – The Media Guy vom 6. Juli 2010

Ein junger amerikanischer Autor und früherer Redenschreiber für Ariel Sharon gewann völlig ohne Zutun 700.000 Fans für seine Facebook-Fanpage. Ein launiges Interview erklärt, warum das nicht unbedingt ein Beleg für die Segnungen des Social Media Marketings ist.

Zur Seite http://adage.com/mediaworks/article?article_id=144772

blog Nein, das Internet ist NICHT wie der Buchdruck! Beitrag über , , , vom 29. Juni 2010

7

Book Building

Immer wieder wird die disruptive Kraft des Internet mit der Erfindung des Buchdrucks gleichgesetzt (zuletzt ist es mir bei John Naughton aufgefallen). Dabei bleibt ein fundamentaler Unterschied auf der Strecke:

Die Erfindung des Buchdrucks war die Geburtsstunde der Massenmedien. Mit fortschreitender Alphabetisierung konnten durch Bücher, Flugblätter und Zeitungen mehr und mehr Menschen erreicht werden, zu verhältnismäßig geringen Stückkosten. Gegenüber den Skriptorien ein unglaublicher Durchbruch. Den geringen Stückkosten standen aber immense Fixkosten gegenüber. Daran hat sich seitdem wenig geändert. Alle Medien, mit denen eine größere Öffentlichkeit erreicht werden konnte, waren für Einzelpersonen unerschwinglich und eine Veröffentlichung lohnte sich wirtschaftlich nur bei einem großen erwartbaren Abnehmerkreis, egal ob in Zeitungen, Radio, Film oder Fernsehen.1 Kurz:

Der Buchdruck läutete das kurze Zeitalter massenhafter zentralisierter Einweg-Kommunikation ein.

Jedes neue technische Verbreitungsmedium hat nur die Reichhaltigkeit der Inhalte oder die Geschwindigkeit der Verbreitung erhöht. Keines aber hat ander Zentralität und Unidirektionalität gerüttelt. Das Internet setzt dem vielleicht ein Ende. Nicht, weil es die Massenkommunikation abschafft und das Konzept Öffentlichkeit an totaler Fragmentierung zugrunde geht. Internet-Meme und politische Aktion im Netz sprechen eine andere Sprache. Nein, die Zentralisierung der Produktionsseite bricht auf:

Hat man einmal Zugang zum Internet, gehen die Distributionskosten gegen Null. Selbst die Schranken der technischen Kompetenz sind durch Blogs etc. niedriger geworden.2 Wem das geschriebene Wort nicht liegt, der kann mit seinem Handy in Sekunden ein Video ins Netz stellen.3 Die latente Reichweite ist so hoch wie die von Spiegel Online. Die Konkurrenz, der Kommentar, die Gegenposition ist nur einen Klick entfernt. Das sorgt für eine völlig andere Konkurrenzsituation, eine Markt- und Machtverschiebung, veränderte Erwartungen, ein anderes Selbstverständnis des Rezipienten oder Prosumenten. Mit dem Fallen der Publikationsschwelle wird die Konkurrenz um Aufmerksamkeit schärfer. Diese “Ware” wird teurer und immer weniger käuflich.

Der Vergleich mit dem Buchdruck verschleiert also die eigentlichen Auswirkungen des Internets. Massenkommunikation hatten wir schon. “Etwas wie der Buchdruck” sollte also die Reaktion auslösen: “Ein neues Trägermedium – so what?” Genau das scheint geschehen zu sein und immer noch zu geschehen. Verleger, Marketingleute, PR-Berater etc. übertragen noch mehrheitlich die alten Produkte, Prozesse und Geschäftsmodelle in das neue System. Doch gegenüber dem Internet ist das Buch geradezu ein autoritäres Medium.4 Der Blick in die Geschichte hilft gegen den gängigen Fehler, kurzfristige Auswirkungen zu über- und langfristige zu unterschätzen (Naughton). Danach aber bitte die Augen wieder heben:

Das Internet ist nicht wie der Buchdruck. Das Internet ist neu.

1) Über das Radio räsonierte Brecht schon, es “von einem Distributionsapparat in einen Kommunikationsapparat zu verwandeln”, in dem die Empfangsgeräte auch als Sendegeräte genutzt würden. Die Probleme damit liegen auf der Hand. IP-basierte Kommunikation hätte Brecht wohl gefallen. Netzneutralität auch.
2) Zu New Media Analphabetismus siehe TheMashazine.
3) Zum “Media Literacy”-Problem kommt natürlich noch, dass einfach nicht jeder Sender sein will. Das ist aber 1. auch gut so und steht 2. wieder auf einem anderen Blatt.
4) Selbst das Lesen von “klassischen” Büchern wird auf E-Readern durch kollektive Annotationen “social”, vielleicht auf Kosten der Immersion.

links Einfluss von Social Media auf Politik(-mitarbeiter) vom 28. Juni 2010

Im Artikel E-Plus und “Digital Public Affairs”: Der Lobbyist als Agronom bei Marco Althaus’ “Public Affairs Manager” (btw: Ich mag Gunnar Benders Metapher vom Jäger vs. Bauern, sie passt auch auf Social Media PR generell) hat Bernd Buschhausen (@bebusch) auf eine Edelman-Studie (11/2009) über den Einfluss von Social Media auf Parlamentsmitarbeiter (pdf) hingewiesen:

Open publication – Free publishingMore public affairs

49 der 50 befragten Bundestagsmitarbeiter informieren sich auch online zu politischen Themen. Dabei haben 42% bereits zuerst über online-Kanäle von einem politischen Issue erfahren. Ein knappes Viertel hat aufgrund von Online-Informationen schon seine Position geändert.

Diese Zahlen können und sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass Massenmedien und persönliche Gespräche in ihrer Wichtigkeit immer noch weit vor Onlinekommunikation liegen. Sie zeigen aber auch, dass Stimmen im Netz nicht völlig ungehört verhallen, auch wenn es in der jüngsten Vergangenheit manchmal den Anschein hatte.

links Everything you need to know about the internet | Technology | The Observer vom 24. Juni 2010

Die neun Thesen von John Naughton sind nicht für jeden neu, aber gut geschrieben und helfen, das Netz und seine Auswirkungen zu verstehen.

Zur Seite http://www.guardian.co.uk/technology/2010/jun/20/internet-everything-need-to-know

links Nieman Reports 2010 vom 22. Juni 2010

Von der Nieman-Stiftung (Harvard) herausgegebene Texter über technologischen, wirtschaftlichen und kulturellen Wandel des Journalismus

Zur Seite http://www.nieman.harvard.edu/reportsitem.aspx?id=102394

links Breitband – Der neue Umgang mit Nachrichten vom 21. Juni 2010

Podcast des Deutschlandradio, in dieser Folge über die Entwicklung des Nachrichtenmarkts in Zeiten von Google News, User Generated Content und Content-Farmen wie Demand Media

Zur Seite http://breitband.dradio.de/der-neue-umgang-mit-nachrichten/

blog Ein Versuch, Enterprise 2.0 zu erklären Beitrag über , , , vom 21. Juni 2010

7

Gleich werde ich am Institut für Kommunikationswissenschaft der WWU Münster einen kleinen Einführungsvortrag zu Enterprise 2.0 halten. Wie alles “-2.0″ ist das kein allzu einfach fassbarer Begriff. Eine gute Gelegenheit für ein Präsentations-Experiment. Ich habe versucht, Enterprise 2.0 zu zeichnen.

Die Präsentation ist durch den geringen Textanteil nicht ganz selbsterklärend. Besonders wichtig ist mir, dass Enterprise 2.0 natürlich nicht einfach die Installation bestimmter Softwaresysteme im Unternehmen ist (auf diesen Technikdeterminismus-Irrweg gehe ich in der Präsentation auch ein). Wer sie gern (nochmal) ansehen will:

Hier die weiterführenden Links zu Theorie und Praxis:

Diese Art, eine Präsentation zu erstellen, hat sich schon jetzt bewährt. Der Workflow:

> Präsentation mit Filzstift zeichnen
> scannen
> vektorisieren
> kolorieren
> in prezi.com laden
> Pfade hinzufügen
> zufrieden sein.

Es dauert nicht länger als das Herumgefummel mit Powerpoint oder Openoffice (Ja, ja, get a Mac bla bla), aber es macht wesentlich mehr Spaß, die eigene Auseinandersetzung mit dem Thema ist besser und ich bin überzeugt, es bleibt beim Publikum mehr hängen. Wie letzteres reagiert, weiß ich erst in drei Stunden. Vielleicht gibt der eine oder die andere hier ja noch direktes Feedback ab. Es würde mich freuen.

blog Walled Gardens vs. “Seeding”: News-APIs als Geschäftsmodell für Verlage Beitrag über , , , , vom 17. Juni 2010

Martha over the garden wall

Während viele Verlage “Walled Gardens” errichten, um Google auszusperren, und sich damit ihrer größten kostenlosen Traffic-Quelle entledigen, gehen einige Häuser den entgegengesetzten Weg: Sie vereinfachen die Verteilung ihres Contents durch APIs (Application Programming Interface). Aktuelle Artikel, Archivmaterial oder Statistiken werden maschinenlesbar angeboten und können so sehr einfach in andere Seiten eingebunden werden.

Damit schwenken diese Anbieter von der Rohware Nachricht (die, wenn sie sich hinter einer Bezahlschranke befindet und Relevanz hat, nach 15 Minuten in einem frei zugänglichen Medium paraphrasiert ist) zur besser schützbaren und daher besser vermarktbaren Aufbereitung. Eine Information an sich, zum Beispiel über einen Unfall oder den Ausgang einer Wahl (manchmal auch beides zusammen) ist – zum Glück der Wissensgesellschaft – nicht urheberrechlich geschützt. Das heißdiskutierte Leistungsschutzrecht könnte das in Teilen ändern, ist aber noch völlig diffus. Geschützt sind aber Werke, also ein gut formulierter Bericht oder eine informative Grafik. Deren Produktion ist zudem verhältnismäßig kostenintensiv, also lohnt sich der Einkauf für Dritte.

Der “Guardian” hat seine API nach einer Betaphase jetzt offiziell geöffnet und erlaubt, finanziert entweder über Werbung oder über Gebühren, eine kommerzielle Nutzung seiner Inhalte durch Dritte (über die sog. Content API). Neben den Werbeeinnahmen und Lizenzgebühren erweitert die Zeitung damit durch stärkere Verlinkung auch die Reichweite ihres eigenen Angebots (Kannibalisierungseffekte sollten mehr als aufgehoben werden). Anstatt den Garten einzuzäunen, streut der Guardian seine Saat über das Netz.
Über das “Micro-App-Framework” können Guardian-Partner auch Content direkt auf die Guardian-Website bringen. Hier wird Reichweite also nicht an Werbekunden, sondern auch an andere, kleinere Medienunternehmen vermarktet.
Die “Politics API” wiederum erlaubt den Zugriff auf Statistiken und Umfrageergebnisse, die sich als Zahlen direkt weiterverarbeiten lassen. (mehr zur Guardian-API bei Heise)

Dazu passt, dass der Guardian sich als Vorreiter im “Data Journalism” positioniert, eine Entwicklung, die nicht nur Journalisten und Verleger, sondern auch Regierungen, NGOs und Unternehmen sicher noch beschäftigen wird und einen eigenen Blogpost wert ist.

Die New York Times bietet schon seit Ende 2008 eine API an, allerdings nur für die nichtkommerzielle Nutzung bei limitierten Zugriffszahlen. Abrufbar sind u.a. Artikel, Quellen der Wahlkampffinanzierung, Kongressabstimmungsdaten und Filmkritiken (erklärender Artikel bei Readwriteweb). Die Guardian-Variante finde ich aufgrund der Vielzahl an Monetarisierungsvarianten interessanter. Ich bin gespannt auf erste Zahlen aus dem regulären Betrieb.

Auch wenn der Nutzen klar auf der Hand liegt, gibt es bisher kein solches Angebot im deutschen Markt. Die innovativen Anbieter haben die Ressourcen nicht, die großen Verlage wiederum haben ihre wohl vollständig darin gebunden, ausgerechnet gegen ihre Hauptdistributeure Sturm zu laufen.

blog Eine persönliche Channel-Strategie: Fragenkatalog Beitrag über , , , vom 16. Juni 2010

4

Full New MTR System Map with Southern Kowloon Link

Update: Ich habe diesen Artikel hier und da verlinkt und um Feedback über erwünschte Postingfrequenzen und Inhalte gebeten. Ich freue mich über einen kurzen Kommentar dazu.

Vor einigen Tagen habe ich angekündigt, dass ich ein wenig Ordnung in die Vielzahl an Plattformen bringen will, die ich für Input und Output im Social Web nutze. Folgende Fragen habe ich mir dazu gestellt:

Es geht mir in dieser Reihe nicht so sehr um die individuellen Ziele/Botschaften/Inhalte, sondern um die strukturelle Komponente, das “Channeling”, wenn man auf Marketing-Neudeutsch so will. Um maximal effizient zu sein, sollte ich auf der Output-Seite eine möglichst hohe Reichweite, besser: eine möglichst tiefe Durchdringung meiner erwünschten Zielgruppen haben, dabei wenig Streuverlust. Auf der Input-Seite sollte ein minimaler Aufwand stehen, außerdem eine möglichst vollständige Erfassung der Reaktionen, um den Dialog aufnehmen zu können.

Es liegt auf der Hand, dass man das nicht mit einem einzigen Tool schafft, sondern sinnvolle Verknüpfungen hermüssen. Viele meiner Kontakte haben ihren Twitter-Account mit Facebook verknüpft oder twittern ihre Blogeinträge. Diese Verknüpfungen können auch mehrstufig sein: Wenn ich eine Seite per Browser-Plugin via Google Reader empfehle, führt das zu einer Veröffentlichung in Google Buzz und Twitter, Twitter wiederum wird bei Facebook gespiegelt. Bei bis zu 20 beteiligten Plattformen, verschiedenen Medienformaten und Zielgruppen kann das zu vielen Problemen im Detail führen:

So weit zu den Fallstricken in der Verknüpfung. Für die einzelnen verwendeten Tools fallen mir folgende Auswahlkriterien ein:

Ist diese Bewertung vorgenommen, kann es konkret an die Verknüpfung gehen: Buzz zu Twitter? Twitter zu Buzz? Del.icio.us über Buzz zu Facebook? Von da weiter zu Twitter? Was wird der Fokalpunkt in diesem Bild? Martin Koser entscheidet sich in seinem lesenswerten und linkschweren Artikel “Aggregation, syndication and the delicacies of smart knowledge worker workflows” für Google Buzz. Großer Vorteil ist die gute Integration mit anderen Diensten, große Flexibilität, was den Content-Typ angeht, und das Angebot an Plugins und Clients. Gerrit hostet lieber selbst mit Wordpress und dem Theme P2. Entsprechende Ressourcen zur Entwicklung vorausgesetzt, bietet diese Lösung in puncto Flexibilität die gleichen Vorteile, bei Integration und Clients wird es schwierig. Dafür ist der Fortbestand von Content und Links gesichert. Die Verknüpfung wird Gegenstand des nächsten Posts sein.

Alle Beiträge der Serie finden sich unter dem Tag “Social Media Workflow“.

Seiten: Prev 1 2 3 4 5 6 7 Next