blog Nestlé-Fanpage im Palmöl-Sturm: Longtail-Verteilung bei Kommentaren und Usern, Bezug auf Produkte und Menschen Beitrag über , , , , vom 27. März 2010

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Während der Palmöl-Kampagne von Greenpeace UK ging ein Sturm von Kommentaren auf die Facebook-Fanpage von Nestlé nieder. Die zahlenmäßige Entwicklung habe ich in meinem letzten Post visualisiert. Nach dem großen Interesse daran und einigen Nachfragen habe ich noch andere Daten aufbereitet.

Dass die Kommentare ab dem 19.3. teilweise im Sekundentakt eingingen, konnte man unschwer erkennen. Um ihren Inhalt zu verstehen, hilft es mehr, ein paar Stichproben zu lesen, als sich auf eine aggregierte Darstellung zu verlassen (wer jetzt die Seite besucht, kann zum Beispiel feststellen, dass die moderaten und Boykott-kritischen Kommentare im Verhältnis zunehmen), eine statistische Visualisierung wie eine Wordcloud kann aber eine gute Ergänzung sein. Sie hilft, die Stichproben statistisch einzuordnen und liefert Anhaltspunkte für neue Suchen. Das hier sind die meistverwendeten Worte an der Pinwand von Nestlé diesen März bis zum Mittag des 25.03.:

Wordcloud: Nestlé Facebook-Kommentare

Um die Abstufungen sichtbarer zu machen, habe ich „Nestle“ herausgenommen. Um die Wahrnehmung nicht zu verzerren, habe ich für diese Grafik keine Farbe verwendet. Beide Wordclouds wurden mit Wordle erstellt.

Wordcloud: Nestlé Facebook-Kommentare

„Nestlé“ und „Palmöl“ sind erwartbar. Gleich danach kommen „Produkte“, „Leute“, „Unternehmen“, „nur“ und eine Reihe abfällige Worte.

Bei einigen Worten ist der Bezug eindeutig:

„I’m actually finding some really good Nestle replacements here – they might be preferable to your products even once the boycott is over.“
„No Nestle products for me while this goes on.“
„I for one will not be purchasing your products any more…“

Wiederum zu „company“ – „Unternehmen“ – sind die Stimmen heterogen. Während eine einzelne sehr aktive pro-Nestlé-Aktivistin immer wieder darauf hinweist, dass der eigentliche Übeltäter das Unternehmen Sinar Mas ist, belegen viele User das Unternehmen Nestlé mit Attributen wie „böse“.

Auch der Begriff „people“ fällt in mehreren Facetten, mal in Bezug auf die Macht der Massen, mal in Bezug auf die Mitarbeiter von Nestlé. An dieser Stelle wäre eine detaillierte Analyse von Tonalitäten und Assoziationen zu einzelnen Begriffen interessant.

Beim Besuch der Facebook-Seite und beim Auswerten sind mir einzelne Protagonisten mehrfach aufgefallen. Ich habe mich gefragt, inwieweit es sich bei diesem Kommentarsturm um eine breit angelegte Grassroots-Bewegung oder das Werk weniger stark involvierter Aktivisten handelt. Wie verteilt sich also die Zahl der Kommentare auf die User?

Nestlé Facebook-Page: Anzahl der User für Anzahl von Kommentaren 1-n

Auf der X-Achse ist hier die Anzahl der Kommentare pro User von 1 bis 51 aufgetragen, die Y-Achse zeigt die Zahl an Usern, die diese Zahl von Kommentaren abgegeben haben.

Die überwältigende Mehrheit der User schrieb nur einen einzigen Kommentar. Andererseits schrieben 10% der User 1001 Kommentare, also gut 40% der Beiträge. Eine klassische Long Tail-Verteilung.

Hier noch einmal die gleichen Zahlen mit vertauschter X- und Y-Achse:

Nestlé Facebook-Page: Anzahl der Kommentare pro User

Diese Daten genügen nicht als Basis einer sinnvollen Interpretation, fügen den zum Teil immer noch geführten Diskussionen über den „Nestlé Fail“ und die richtige Kommunikationsstrategie aber ein paar Fakten hinzu.

Vorgehen:

Auch diesmal habe ich XPather und Scrapy zum Auslesen der Daten aus der HTML-Seite verwendet. Die Kommentare haben den XPath „//div[@id=’profile_minifeed‘]/div/div/h3/span[2]“. Die Namen liest man am einfachsten über den Alt-Tag der Bilder aus, so erfasst man Beiträge auf jeder Ebene der Diskussion (Pinwandeinträge und Kommentare zu Pinwandeinträgen). Der XPath dafür ist „“. Es soll zwar auch über die Facebook Developer Tools gehen, aber der erste Weg funktioniert für mich. Die Sortierung und Auszählung der Namen geht schnell und einfach in der Kommandozeile (Linux natürlich ;-) ) mit „sort“ und „uniq -c“. Die Diagramme habe ich dann wieder in Openoffice erstellt.

I’m actually finding some really good Nestle replacements here – they might be preferable to your products even once the boycott is over.

blog Nestlés Facebook-Fanpage: Entwicklung einer Krise Beitrag über , , , , , , vom 24. März 2010

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Knuddelige Menschenaffen, ein bösartiger Großkonzern. In Szene gesetzt in einem Video, in dem Blut an einem Schokoriegel klebt. Und Greenpeace als treibende Kraft hinter der Kampagne. Im euphemistischen PR-Sprech ausgedrückt: Das ist kein Gewinnerthema für Nestlé.

Über Nestlé, Greenpeace und die Kampagne selbst, die sich gegen den Einsatz von nicht nachhaltig angebautem Palmöl wendet, finden sich alle wichtigen Fakten schnell bei Google. Hier sei nur auf den reflektierten Beitrag von Mirko Lange hingewiesen, der die Fakten hinter der Greenpeace-Argumentation kritisch beleuchtet. Eine Chronologie der Ereignisse für diejenigen, an denen die Geschichte bisher vorbeigezogen ist, veröffentliche ich noch.

Gerade geht es mir um einen Ausschnitt der Debatte: Viele PR-Blogger haben vermutet, dass die Greenpeace-Kampagne ohne die Reaktionen Nestlés weniger wirkungsvoll geblieben wäre. Intuitiv habe ich mich dem angeschlossen: Schon der Versuch, juristisch gegen die Verbreitung des Videos vorzugehen, wird dem Unternehmen nicht geholfen haben. Und so gut das Video und die ganze Kampagne auch inszeniert war, der eigentliche Sturm der Entrüstung brach verspätet los und wäre in dieser Heftigkeit vielleicht ausgeblieben, hätte ein unbeholfener Community-Manager die ohnehin empörten Gelegenheits-Aktivisten nicht gänzlich gegen sich aufgebracht.

Um die Entwicklung auf der Facebook-Seite ein wenig besser nachvollziehen zu können, habe ich mir die reinen Zahlen angesehen. Dazu habe ich die Kommentare seit Beginn der Palmöl-Kampagne mit Zeitstempel ausgelesen und auf eine Zeitachse aufgetragen (zum Vorgehen s.u.). Heraus kam dies:

Nestlé Facebook-Fanpage comments during the Greenpeace palm oil campaign

Man sieht deutlich, dass schon an den ersten beiden Tagen der Kampagne mehr Kommentare eingingen als zuvor. Allerdings hielt sich die Debatte noch in Grenzen, verglichen mit dem, was noch kommen sollte. Am Mittag des 19. März explodierten dann die Zahlen. Was war da los?

nestle fb 7:26

200 (!) Kommentare gingen auf die Bitte ein, das Firmenlogo nicht zu verwenden und zu verändern – viele mit veränderten Nestlé-Logos als Profilbildern. Klassisches Beispiel von Reaktanz. Man fragt sich, wer auf die naive Idee kam, diese Bitte würde irgend eine positive Wirkung haben und nicht als grotesk deplaziert aufgefasst werden. Damit nicht genug, der Administrator wird richtiggehend patzig. Der Ton der Aktivisten und Sympathisanten ist härter, von einem Unternehmen erwartet man aber eine andere Sprache. Die Diskussion wird hitzig. Dabei muss man im Auge behalten, dass jeder Kommentar auf der Nestlé-Fanpage auch im „Lifestream“ der Kommentatoren auftaucht, also auf den Facebook-Startseiten all ihrer Kontakte. So ergibt sich schnell eine latente Reichweite von 20.000 Menschen, die knapp 100.000 „Fans“ der Nestlé-Page und zufällige Besucher nicht einbezogen. Diese Diskussion könnte für die kritische Masse gesogt haben, die für die weitere Verbreitung des Themas gesorgt hat. Ganz sicher ist das natürlich nicht.

Nehmen wir uns nur die stündlich hinzukommenden Kommentare vor, ist der Peak wesentlich deutlicher zu sehen:

Nestlé Facebook-Fanpage: New Comments Per Hour During Greenpeace Palm Oil Campaign

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Nestlé hat nicht alles, aber sicher einiges falsch gemacht. Für eine Bewertung ist es noch zu früh. Der Fall ist aber jetzt schon ein interessantes Lehrstück. Die Zahlen zur Entwicklung der Kommentare können vielleicht ein wenig zum Verständnis seiner Mechanismen beitragen. Wenn ich dazu komme, werde ich mit den Daten in den nächsten Tagen weitere Analysen beginnen. Beispielsweise interessiert mich, von wie vielen verschiedenen Autoren die Kommentare stammen: Sind es 10-20 sehr aktive Kritiker oder wirklich eine große Zahl von aufgebrachten Konsumenten? Wie verlaufen Diskussionsstränge? Wie hoch ist der Grad an „Interlinkage“, an gegenseitiger Bezugnahme und Wortwechsel? Weitere Fragen und Ideen gern per Kommentar zu diesem Beitrag.

Zum Vorgehen (Achtung, ab hier könnte es ein wenig technisch werden):

Zunächst war Handarbeit angesagt, um auf der Facebook-Fanpage von Nestlé die älteren Kommentare bis zurück zum Februar zu laden. Das ließe sich auch automatisieren, ich hielt das für die einmalige Anwendung aber für übertrieben. Während des Klickens kann man auf dem anderen Screen ja Mails lesen. Dann habe ich das Ergebnis gesichert, indem ich die HTML-Seite gespeichert habe.

Die Seite konnte ich dann mit einem Parser nach den Timestamps der Kommentare durchgehen. Als Kommandozeilentool auf Python-Basis empfehle ich Scrapy, um im Browser die Pfade auszulesen, ist die Firefox-Extension XPather ein gutes Tool. Wenn man so was öfter macht, deutlich komfortabler als Debugging-Tools wie Firebug.

Die XPaths für die Facebook-Timestamps sind „//div/div[2]/abbr/@title“ und „//span/span[1]/span/a“. Man bekommt eine erst mal unbrauchbare Liste mit „Gestern um …“ und „xx.xx.xx xx:xx:xx -7:00“, das ist aber nichts, das sich in einer Textverarbeitung nicht durch Suchen-Ersetzen lösen lässt.

Als letzten Schritt habe ich die Liste mit den Timestamps in eine Tabellenspalte eingefügt und in einer Zeile eine Zeitachse mit dem Intervall 1h ab dem 17.03. aufgetragen. Per IF-Abfrage (1 bei Intervallbeginn<x<nächster Intervallbeginn) wurde „1“, sonst „0“ gesetzt.

Nestlé Facebook Fanpage: Comments As A Drain Diagram

Indem ich anstelle der Zahlenwerte Hintergrundfarben gesetzt habe, entstand in der Matrix ein erstes Ablaufdiagramm. Dieses Diagramm war aber 1. verpixelt, 2. schwer zu handhaben und fraß 3. eine Menge Rechenleistung auf dem Laptop. Also habe ich die Zahlen für jede Spalte, sprich: jede Stunde addiert und die einfachen Diagramme oben daraus gemacht.

Es kann gut sein, dass mir irgendwo Daten verloren gegangen sind. Ich habe kaum doppelt geprüft, schließlich handelt es sich hier eher um eine Fingerübung. Freue mich dennoch und gerade deshalb über konstruktive Kritik.

Wer an Details interessiert ist, erreicht mich über Twitter, Xing oder Facebook.

links Mehrzahl der US-Journalisten nutzt Social Media für die Recherche vom 26. Januar 2010

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„Von den befragten Journalisten gaben 89 Prozent an, dass sie für Recherchen Blogs durchsuchen. 65 Prozent greifen auf Social Media wie Facebook oder LinkedIn zurück und 52 Prozent nutzen Microblogging-Dienste, zum Beispiel Twitter, um an Informationen und Geschichten zu kommen. Ein weiteres zentrales Ergebnis der Studie ist, dass 61 Prozent der Umfrageteilnehmer in Wikipedia, der Online-Enzyklopädie, recherchieren.“

Es fehlt Social Media aber nach Meinung der Befragten an Glaubwürdigkeit.

Meistgenutzte Quelle ist nach wie vor der Kontakt zu PR-Verantwortlichen.

Cision-Umfrage in den USA: Mehrzahl der Journalisten nutzen Scial Media für Ihre Recherche (via @tknuewer)

Mein kurzes Fazit: Social Media setzen in Teilen bereits die Agenda, es gibt für die dort aufkommenden Themen aber noch erhebliches Framing-Potential durch beteiligte Akteure.

blog Der den Buzz reitet… Beitrag über , , , , , , , vom 19. Januar 2010

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…aber wohin? Heute hat Robert Basic, der mit der Versteigerung seines Blogs Basic Thinking für knapp 47.000 Euro ein Rekordergebnis einfuhr (zugegeben: viel mehr solche Verkäufe gab es bisher auch nicht), auch noch seinen Twitter-Account @robgreen abgestoßen, um sein neues Projekt „Buzzriders“ zu finanzieren – zumindest sollte man das für ein paar Stunden glauben.

Beim glücklichen Käufer „Käuferportal“ gingen mehr kopfschüttelnde Mitleidsbekundungen ein als Gratulationen. Was ist schließlich ein Twitter-Account wert ohne die Inhalte, denen er seine Aufmerksamkeit verdankt? Der Transfer des Blogs Basic Thinking, das ich völlig ohne Zynik gern die Bild-Zeitung des Web 2.0 genannt habe, weil es ähnlich stark polarisierte, vor allem aber die Agenda der deutschen Blogosphäre maßgeblich beeinflusste, war noch zu stemmen. News aus dem Social Web und zu Technologiethemen können auch andere zusammentragen. Den Twitter-Account dagegen habe ich allein aufgrund der Person dahinter verfolgt – und mit deren erklärtem Abgang aus meiner Liste entfernt.

Reingefallen!“ hieß es schon rund zwei Stunden später: Der Account wurde wieder von Robert übernommen. Alles war eine schon länger vorbereitete Aktion, um „Buzz“ zu erzeugen. Gewisserweise ist das gelungen, wenn es verglichen mit dem Blogverkauf auch eher ein laues Lüftchen im Wasserglas war und nicht wenige verstört bis verärgert hat. Roberts Kontakte wollten sich eben nicht im wahrsten Sinne des Wortes für dumm verkaufen lassen. Im Moment sieht es so aus, dass in absoluten Zahlen Robert mehr Follower verloren hat, als das Käuferportal hinzugewinnen konnte.

Roberts gesundes Selbstbewusstsein jucken die kritischen Stimmen bei Twitter und in den Blogs über den Verlust seiner Glaubwürdigkeit wenig. Auch der Follower-Schwund (der bei der ersten Ankündigung eines Account-Verkaufs noch deutlicher war) nicht. Als eine Art Reputations-Märtyrer im Dienste seines Startups nimmt er die Angriffe in Kauf: „Käuferportal ist mit einem Schlag ein ganzes Stück weit bekannter im Netz, Buzzriders nochmalig und erneut genannt worden, und ich als Blitzableiter habe die allermeisten, negativen Kritiken auf mich vereint, perfekter geht es nicht.“ Erinnert mich ein wenig an Ehssan DarianisRadaumarketing„: Auch da ging es darum, mit kontroversen Aktionen für eine Firma Buzz zu erzeugen und die negativen Reaktionen auf eine Person umzuleiten.

Das alles also, um die Bekanntheit von (vermeintlichem) Käufer und (vermeintlichem) Verkäufer zu steigern.

„Buzzriders ist im Vorfeld der Alpha-Phase (“klickbare Webseite”) das bekannteste Projekt im Deutschen Web, Punkt.“

Ob das so ist, lassen wir dahingestellt. Zumindest ist der Name wieder durch diverse Blogs gegeistert, dieses eingeschlossen. Aber im Gegensatz zu Buzzriders hatte Radaumarketer Dariani ein fertiges Produkt, und die frechen Aktionen, die teilweise weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinausgingen, trafen den Nerv der Zielgruppe. Wessen Nerv trifft die Twitter-Verkaufsaktion? Geht der „Buzz“ überhaupt über die Szene, in der „Buzzriders“ ohnehin (bisher als „ewiges Stealth-Mode-Projekt„) bekannt ist, hinaus? Welches Medium jenseits der Blogosphäre wird morgen, wie zu Zeiten des Blogverkaufs, berichten?

Worüber sollten sie auch schreiben? Man erfährt bisher nicht viel vom künftigen Stern am Himmel des lokalen Web. Vielleicht wird es ein großer Wurf, aber ist nicht bald schon das Pulver verschossen? Auch was „Käuferportal“ eigentlich genau anbietet, weiß ich immer noch nicht. Ich hätte mich informieren können, es spielt für die Aktion aber keine Rolle und interessiert mich persönlich nicht besonders. Ich vermute, anderen, die auf die PR-Aktion reagiert haben, geht es ähnlich. Eine weitere Luftblase. Buzz ohne Inhalt. Ein „Hallo Welt“ als Kampagne. Da hätte ich von einem, der die Welt der Social Media so gut kennt, mehr erwartet – oder zumindest erhofft.

Man kann den Buzz totreiten. Oder ihm Futter geben, zum Beispiel durch ein überzeugendes Produkt.
Es heißt, ein laufendes Pferd braucht keine Sporen.

blog Was jetzt gerade im Social Web passiert Beitrag über , , , vom 16. Januar 2010

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Gary Hayes hat eine Flash-App entwickelt, die das atemberaubende Tempo der Social Media-Entwicklung und -Produktion veranschaulicht:

Das Tempo in den Märkten Mobiltelefonie und  Onlinespiele steht dem in nichts nach.

Die zugrundeliegenden Zahlen sind zwar schon ca. 4 Monate alt (Quellen auf Garys Seite verlinkt), das Tempo wird sich aber nicht verlangsamt haben. Wie viele Nutzer hat Facebook während des Lesens der letzten 4 Sätze hinzugewonnen?

blog Social Media sind wie Hip Hop Beitrag über , , vom 11. Januar 2010

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„It’s the level of gangster rapper in you that makes you succeed or fail in social media.“

Say what?

Kein ganz neuer Gedanke für mich. Den Bezug speziell zu Gangster-Rap sehe ich zwar nicht – dafür fehlt das aggressive Gehabe. Doch auch wenn Irokesenschnitte in Rap-Videos eher selten zu sehen sind, sind die Parallelen zwischen (gutem nonkommerziellem) Hip Hop und Social Media offensichtlich:

„Me, I got no jewels on my back. Why? I don’t need ‚em, I got your respect!“ (KRS-ONE)

Gibt es weitere Parallelen zwischen Hip Hop-Kultur und Social Media? Oder alles whack sh** und Social Media sind in Wirklichkeit härtester Punk?

links Lufthansa MySkyStatus – DLH nutzt Netzwerke der Kunden durch Statusupdates aus dem Flieger vom 12. Oktober 2009

Wenn das gut angenommen wird, hat Lufthansa einen kreativen Weg ins soziale Onlinenetzwerk seiner Kunden gefunden: MySkyStatus, „travel made social“ (Eigenwerbung), sendet auf Wunsch automatische Statusupdates über Ort, aktuelle Flughöhe und Ankunftszeit über den Twitter- oder Facebook-Account der Reisenden, bislang nur ein paar mal am Tag. Mal sehen, ob der Tipping Point überschritten wird, bevor die Test-Nachrichten neugieriger Nichtflieger deren Kontakten auf die Nerven gehen. Dennoch: Chapeau, liebe Lufthansa, für Kreativität und Mut zum Experiment.
Lufthansa hat Twitter etc. schon früher ins Marketing integriert, etwa durch Statusupdates per Banner-Klick, allerdings bisher mit dem Fokus auf Reichweitengenerierung. 1:1-Interaktion findet über @lufthansa_DE offenbar noch kaum statt.

Zur Seite http://myskystatus.com/ (via @kchvb / @mashable)

blog Wenn ich groß bin, werde ich Social Media-Berater Beitrag über , vom 7. Oktober 2009

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David Nelles fordert das Erwachsenwerden der Social Media-Beratung.

Hier erlaube ich mir eine kurze Wortklauberei und behaupte, die meisten Social Media-Beratungen sind keine Beratungen, sondern Agenturen. Der Unterschied: Ein Berater hilft seinem Kunden durch eigene Expertise, Strukturierung und den Blick von außen bei der Lösung einer Aufgabe. Der Schwerpunkt liegt auf dem Dialog mit dem Kunden, das Ergebnis sind idealerweise Strukturen und Prozesse, mit denen der Kunde die Aufgabe selbst lösen kann. Der Agent (lat.: Handelnder) hingegen führt in erster Linie die gestellte Aufgabe aus, im besten Falle strukturiert und zielgeleitet. Da er an dieser Ausführung verdient, hat er i.d.R. kein großes Interesse daran, den Kunden dazu zu befähigen und seine Methoden offen zu legen. Legitim. Nichts gegen Agenturen, aber über den Unterschied sollte man sich bewusst sein – auch, wenn auf der Visitenkarte „Berater“ steht.

Zurück zu David Nelles‘ Beitrag. Er fragt:

„Was macht denn eine professionelle Social Media Full Service Agentur aus?“

Zum Erwachsenwerden gehört für ihn, frei zusammengefasst, die genutzten Kanäle wieder als Mittel zum Zweck zu sehen und den vielgepriesenen „Dialog“ auch zu führen, also eine Philosophie der offenen und direkten Kommunikation zwischen Menschen auch in die Unternehmen zu tragen. Beratung also.

Eine schwierige Aufgabe, denn sie bedeutet, wie Uwe Knaus kommentiert, ein für die Strukturen und Prozesse eines Unternehmens passendes Konzept zu entwickeln, vielleicht diese sogar anzupassen und nicht nur kampagnenweise im Netz Marketingbotschaften zu streuen oder regelmäßige Reports abzugeben. Diese Kompetenz würden die meisten Unternehmensverantwortlichen eher „klassischen“ Beratungen zutrauen – meist mit Recht, denke ich. Natürlich ist Social Media-Kompetenz wichtig. Nur wer das ganze zur Verfügung stehende Instrumentarium kennt, kann die richtigen Mittel zur Erreichung seiner Ziele wählen. Wer keinen Hammer kennt, wird Nägel mit dem Schraubenzieher in die Wand hauen. Aber auf bestimmte Kanäle spezialisierte Agenturen haben eben NUR den Hammer zur Verfügung. Machen wir uns nichts vor: Bei aller Euphorie ist das Social Web vom Leitmedium weit entfernt, da reicht ein Blick in die Statistik.

Stichwort „Ziele“. Kaum ist die Phase des Unverständnis und der damit einhergehenden völligen Ablehnung überwunden, kann es manchen Kunden gar nicht schnell genug gehen. Blog, Twitter, Facebook, da muss man doch jetzt überall mitmachen, oder? Was auf der Strecke bleibt, ist die Einbindung in eine globale Strategie. Nicht immer: Ich kenne eine ganze Reihe verantwortungsvoller Berater, die an dieser Stelle nachhaken oder auch einmal abraten. Auf der anderen Seite verkaufen selbst namhafte Agenturen Tools ohne Sinn und Verstand – sei es, weil sie selbst noch nicht verstanden haben, wozu das gut sein soll, oder weil sie diese Tools nun mal gerade anzubieten haben. Die teuer eingekauften Programmierer müssen ausgelastet werden. In der Einbindung in die Unternehmens- und Kommunikationsstrategie liegt in meinen Augen das größte Problem.

Kann eine Social Media-Beratung ein Unternehmen umfassend in seiner Kommunikation beraten? Warum nicht? Wenn mit ausreichend Erfahrung und Expertise „Social Media“ nicht als Teilmenge von „Online“ verstanden wird. Dass „Social“ auch offline funktioniert, beweist Martin Oettings trnd, deren Mitglieder auch im „richtigen Leben“ über ihre Projekte, sprich: Produkte und Marken reden. Es geht in meinen Augen um den Umgang der Unternehmen und Agenturen mit einem Bewusstseinswandel der Konsumenten, der zwar im partizipativen Web seine Triebfeder hat, aber an dessen Grenzen nicht aufhört. Wer in dieser Online-Welt zuhause ist, kann daraus einen Wissens- und Verstehensvorsprung über die gegenwärtigen Veränderungen ziehen und diesen auch offline anwenden. Warum also den Lead nicht an eine Social Media-Beratung geben? Eben weil es nicht nur um ein neues Bündel an Kanälen, sondern generell um den kommunikativen Umgang mit Stakeholdern geht, tun Unternehmen gut daran, nicht einfach in Social Media hineinzuhandeln (oder handeln zu lassen), sondern sich umfassend und im Zweifel lieber etwas langsamer, behutsamer darauf einzustellen. Ein guter Berater hilft bei diesem Prozess.

Zur Professionalisierung der Social Media-Berater/-Agenturen gehört für mich die Beantwortung der Frage nach dem eigenen Können und Wollen und die Kommunikation dieses Selbstverständnisses nach außen. Das baut falsche Erwartungen ab, schafft Klarheit und führt hoffentlich dazu, dass man diese Berufsbezeichnung wieder ernst nehmen kann.

links HOW TO: Make Facebook Your Company Newsroom vom 6. Oktober 2009

Wer seinen Social Media Newsroom nicht eigens coden will, kann die Facebook-Fanpage seines Unternehmens recht einfach dazu „aufmotzen“. Wie, erklärt Josh Peters bei Mashable. via @onitz

Zur Seite http://mashable.com/2009/09/18/facebook-newsroom/

blog Tante Emma skalieren Beitrag über , vom 3. Oktober 2009

Martin Oetting erklärt mit wissenschaftshistorischer Einleitung den mit Social Media verbundenen Paradigmenwechsel und warnt davor, mit alten Modellen die neue Welt erklären oder gar beherrschen zu wollen:

gefunden bei Bertdesign

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