blog Der den Buzz reitet… Beitrag über , , , , , , , vom 19. Januar 2010

…aber wohin? Heute hat Robert Basic, der mit der Versteigerung seines Blogs Basic Thinking für knapp 47.000 Euro ein Rekordergebnis einfuhr (zugegeben: viel mehr solche Verkäufe gab es bisher auch nicht), auch noch seinen Twitter-Account @robgreen abgestoßen, um sein neues Projekt „Buzzriders“ zu finanzieren – zumindest sollte man das für ein paar Stunden glauben.

Beim glücklichen Käufer „Käuferportal“ gingen mehr kopfschüttelnde Mitleidsbekundungen ein als Gratulationen. Was ist schließlich ein Twitter-Account wert ohne die Inhalte, denen er seine Aufmerksamkeit verdankt? Der Transfer des Blogs Basic Thinking, das ich völlig ohne Zynik gern die Bild-Zeitung des Web 2.0 genannt habe, weil es ähnlich stark polarisierte, vor allem aber die Agenda der deutschen Blogosphäre maßgeblich beeinflusste, war noch zu stemmen. News aus dem Social Web und zu Technologiethemen können auch andere zusammentragen. Den Twitter-Account dagegen habe ich allein aufgrund der Person dahinter verfolgt – und mit deren erklärtem Abgang aus meiner Liste entfernt.

Reingefallen!“ hieß es schon rund zwei Stunden später: Der Account wurde wieder von Robert übernommen. Alles war eine schon länger vorbereitete Aktion, um „Buzz“ zu erzeugen. Gewisserweise ist das gelungen, wenn es verglichen mit dem Blogverkauf auch eher ein laues Lüftchen im Wasserglas war und nicht wenige verstört bis verärgert hat. Roberts Kontakte wollten sich eben nicht im wahrsten Sinne des Wortes für dumm verkaufen lassen. Im Moment sieht es so aus, dass in absoluten Zahlen Robert mehr Follower verloren hat, als das Käuferportal hinzugewinnen konnte.

Roberts gesundes Selbstbewusstsein jucken die kritischen Stimmen bei Twitter und in den Blogs über den Verlust seiner Glaubwürdigkeit wenig. Auch der Follower-Schwund (der bei der ersten Ankündigung eines Account-Verkaufs noch deutlicher war) nicht. Als eine Art Reputations-Märtyrer im Dienste seines Startups nimmt er die Angriffe in Kauf: „Käuferportal ist mit einem Schlag ein ganzes Stück weit bekannter im Netz, Buzzriders nochmalig und erneut genannt worden, und ich als Blitzableiter habe die allermeisten, negativen Kritiken auf mich vereint, perfekter geht es nicht.“ Erinnert mich ein wenig an Ehssan DarianisRadaumarketing„: Auch da ging es darum, mit kontroversen Aktionen für eine Firma Buzz zu erzeugen und die negativen Reaktionen auf eine Person umzuleiten.

Das alles also, um die Bekanntheit von (vermeintlichem) Käufer und (vermeintlichem) Verkäufer zu steigern.

„Buzzriders ist im Vorfeld der Alpha-Phase (“klickbare Webseite”) das bekannteste Projekt im Deutschen Web, Punkt.“

Ob das so ist, lassen wir dahingestellt. Zumindest ist der Name wieder durch diverse Blogs gegeistert, dieses eingeschlossen. Aber im Gegensatz zu Buzzriders hatte Radaumarketer Dariani ein fertiges Produkt, und die frechen Aktionen, die teilweise weit über die Grenzen des guten Geschmacks hinausgingen, trafen den Nerv der Zielgruppe. Wessen Nerv trifft die Twitter-Verkaufsaktion? Geht der „Buzz“ überhaupt über die Szene, in der „Buzzriders“ ohnehin (bisher als „ewiges Stealth-Mode-Projekt„) bekannt ist, hinaus? Welches Medium jenseits der Blogosphäre wird morgen, wie zu Zeiten des Blogverkaufs, berichten?

Worüber sollten sie auch schreiben? Man erfährt bisher nicht viel vom künftigen Stern am Himmel des lokalen Web. Vielleicht wird es ein großer Wurf, aber ist nicht bald schon das Pulver verschossen? Auch was „Käuferportal“ eigentlich genau anbietet, weiß ich immer noch nicht. Ich hätte mich informieren können, es spielt für die Aktion aber keine Rolle und interessiert mich persönlich nicht besonders. Ich vermute, anderen, die auf die PR-Aktion reagiert haben, geht es ähnlich. Eine weitere Luftblase. Buzz ohne Inhalt. Ein „Hallo Welt“ als Kampagne. Da hätte ich von einem, der die Welt der Social Media so gut kennt, mehr erwartet – oder zumindest erhofft.

Man kann den Buzz totreiten. Oder ihm Futter geben, zum Beispiel durch ein überzeugendes Produkt.
Es heißt, ein laufendes Pferd braucht keine Sporen.


5 Comments

  1. Till, danke für die vielen Gedanken. Teils gute Gedanken, teils lasche Schlüsse imho. Zu Buzzriders: Wenn es Dich wirklich interessiert, steht mehr oder minder der gesamte Masterplan auf dem Buzzriders Blog. Genug Denkfutter für viele Stunden imho. Viele Antworten auf viele Fragen, auch Deine da oben. Na und? Nix, na und, hast es nicht gelesen und/oder keine Lust gehabt. Normal. Kein Vorwurf. Und eines der Knackpunkte.

    Ich gehe einen anderen Weg als klassische Startups, nämlich Menschen zu interessieren für Etwas, das eben noch nicht klickbar ist und um sie dabei in der Vorphase mitgestalten zu lassen. Konzeptionelles Denken verlangt weitaus mehr dem Interessierten ab, als eine präsentierte Tüte Kaffee im Shop zu bewerten. Und es nicht vielen zu eigen. Sehr wenigen. Daher ist jeder Einzelne ungemein wertvoll, der sich einbringt.

    Man kann nicht genug Buzz erzeugen, um Menschen zu erreichen, die an der einen oder anderen Ecke mitmachen wollen. Was Du demnach locker flockig als Luftblase bezeichnest, hat mehr Background, als Du es oben so dahin gebloggt hast, ohne hinter die Kulissen zu schauen. Ist eben.. anstrengend, sagt ich bereits:)

    schrieb Robert Basic am 20. Januar 2010 um 03:10

  2. Robert,
    jedem, der die Kommunikation über das Projekt kritisiert, vorzuwerfen, ebendiese gar nicht zu kennen, macht es zu einfach: Ich habe Stunden in Deinem Blog und dem von Buzzriders verbracht. Mehr Fragen als Antworten, wenn Du mich fragst. Habe ich Dir aber auch schon am 10. Dezember über Linkedin geschrieben:
    „Wie geht Buzzriders voran? Ich schaue hin und wieder vorbei, muss aber wohl mal zu einem der Buzzcamps kommen, um schlau daraus zu werden. Wird schon programmiert?“

    Eine Antwort habe ich nicht erhalten, was völlig in Ordnung ist. Auch mir entgeht im Stress hin und wieder etwas. Und du hast natürlich recht, ein greifbares Produkt ist leichter anzubieten als eine Idee. Doch dann mach es den Interessierten doch leicht.
    Beispiel: „Jede Gemeinde soll in Zukunft ihre eigene Lokalseite bekommen, auf der die Bürger eigene Kurzmeldungen einstellen und sich untereinander austauschen können. Ein Lokalredakteur wird unter Zuhilfenahme der Bürger aus dem Strom der Kurzmeldungen die wichtigsten Lokalneuigkeiten des Tages bzw. der Woche herausfiltern und zusammenstellen, die in einem 90-Sekunden-Video präsentiert werden.“ Gute Kurzbeschreibung (ginge aber noch kürzer). Das finde ich aber erst nach dem Klick auf „Über“. Auf der Startseite stattdessen eine abstrakte Zusammenstellung von Funktionen, die alle schon durch andere Dienste übernommen werden. Im Blog seitenlange Texte über Funktionen im Detail (bis Andre gestern kurz den Stand der Dinge vermeldet hat, was ich wiederum gut finde).

    Bei Buzzriders hinter die Kulissen zu schauen ist – Du sagst es – anstrengend. Bei Interesse macht man das gern. Aber wer kommt aufgrund dieser Twitter-Scharade dazu? Und damit sind wir bei der „Luftblase“ (im Artikel und hier bezogen auf die Twitter-Aktion): Dabei bleibe ich, weil das Account-Geschacher völlig ohne Bezug zum beworbenen Produkt stand. Das ist doch übermorgen schon vergessen. Was bleibt, sind ein paar Links für Google und ein Publikum, das Du längst hattest und das nun Deinen Ankündigungen immer weniger Interesse und Vertrauen entgegenbringt. Und das schadet nicht nur Dir persönlich, sondern nun mal auch dem, was Du repräsentierst: Buzzriders.

    Ich finde die Grundidee gut, den Weg zur Realisierung interessant und wert, ihn einmal auszuprobieren und ich weiß, was Du in Bewegung bringen kannst. Gerade deshalb würde ich es begrüßen, wenn Buzzriders selbst mit seinem Potential und Fortschritt Buzz erzeugen würde und nicht der Verkauf Deines Accounts.

    schrieb Till am 20. Januar 2010 um 10:30

  3. „LinkedIn“ = kann durchaus sein, aber da steige ich nicht wirklich durch:)) Sorry!

    „Das ist doch übermorgen schon vergessen“ = Der Theorie folge ich eben nicht. Die Leute werden sich sehr wohl daran erinnern, wenn auch flüchtig, das reicht aber schon zunächst. Und ich werde nicht aufhören, weiter dafür zu trommeln, auf jegliche Art. Ich habe von vornherein immer wieder gesagt, dass ich alles Mögliche ausprobieren werde, schräge Dinge, polarisierende Dinge, in allen Bereichen. Fehler sind dabei vollkommen inkludiert. Das angefangen von Funktionen bis hin zum Marketing. Manches wird sitzen, manches nicht. So what? Denn eines soll das Projekt auf alle Fälle auf dem Weg hergeben: Spaß, Aufregung und Nachdenkliches. Ein langweiliges Startup wollte ich nicht haben, werde ich auch nicht betreiben. Daher sehe ich das weitaus lockerer als Du, der mit sehr klassischen Denkmustern daherkommt. Ob diese Aktion unter dem Strich was gebracht hat demnach? Ja, in vielen Punkten. Sie hat neue Mitmacher erreicht, sie hat für Aufregung gesorgt, sie hat den Namen Buzzriders erneut weit außerhalb der geschlossenen Internetszene platziert. Dass sich viele daran reiben, war zu erwarten.

    schrieb Robert Basic am 20. Januar 2010 um 11:51

  4. Till bringt den Sachverhalt in den letzten zwei Absätzen des Artikels imho gut auf den Punkt. Dem schließe ich mich an.
    Roberts Twitteraktion erzeugte bei mir relativ wenig Interesse (das Projekt Buzzriders hingegen schon, spielte vor einigen Jahren schon mit einer ähnlichen Idee). Wo sind in dieser Aktion die social-web-typischen Eigenschaften? Wo ist der Plan? Wir haben es hier mit einer kleinen Guerilla-Kampagne zu tun. Vielleicht hat sie noch ein Quäntchen Viralcharakter.

    Noch gibt’s keine ernstzunehmenden Standards für SMM. Aber soviel wissen wir dann doch: Es geht vor allem um Inhalte und Glaubwürdigkeit. Davon sehe ich hier nichts. Also lassen wir Robert und die Sponsoren doch einfach weiter spielen. Wenn die nächste Kampagne kommt, die eine inhaltliche Strategie einläutet, melde ich mich wieder.

    schrieb Hannes am 20. Januar 2010 um 12:36

  5. Ich würde Hannes Punkte noch ein wenig erweitern: Es geht meiner Meinung nach nicht nur um Inhalte & Glaubwürdigkeit, sondern auch um Vertrauen.

    Till hat mir neulich bei Slideshare eine interessante Präsentation von Jan Schmidt gezeigt: „Die Rolle der Onlinekommunikation bei der Herstellung von Vertrauen„. Schon auf Folie 3 findet sich folgendes Zitat: „Vertrauen ersetzt fehlende Information und ermöglicht damit die Vorwegnahme von Zukunft“. Nun stellt sich mir die Frage: Warum soll ich einer Person vertrauen, die sich als nicht unbedingt vertrauenswürdig herausgestellt hat?

    Erst versteigert Robert sein Blog – und bietet damit neben den jahrelang aufgebauten SEO-Vorzügen vor allem eines an: Seine Leserschaft. Dann wiederholt er das Spiel mit seinem Twitter-Account, bei dem die Verbindung zur Persönlichkeit dahinter wohl noch stärker einzustufen ist. Auch hier verkauft er wiederum seine Leserschaft. Für mich bedeuten diese Aktionen: Um Aufmerksamkeit zu erhalten opfere ich gerne die Menschen, die sich für mich und meine Themen interessieren.

    Und in diesem Licht sehe ich mittlerweile das Projekt Buzzriders: Seit einem Jahr geistert dieses „Gespenst“ durch das deutsche Social Web, klare Fortschritte sind nicht erkennbar (bzw. auffindbar…). Das einzige, was mich ständig wieder daran erinnert, sind die oben genannten Aktionen & in diesem Zusammenhang Prognosen/Versprechen für die zukünftige Entwicklung. Warum sollte ich Robert nach solchen Sachen über ein Jahr lang wissbegierig an den Lippen hängen? Völlig an ihm / dem Projekt vorbei passiert unglaublich viel im Social Web. Mein Lieblingsbeispiel ist rivva – da sitzt mit Frank Westphal ein einziger Entwickler dahinter, der mit einer Erstversion gestartet ist, die beständig verbessert und erweitert wurde. Das ist für mich spannend und verfolgenswert.

    Problematisch finde ich auch Roberts Aussage „Die Leute werden sich sehr wohl daran erinnern, wenn auch flüchtig, das reicht aber schon zunächst.“ Klar erinnern sich die Leute. Auch flüchtig. Aber welchen Gedanken werden sie dann mit dem Projekt verbinden? Ich empfehle die Lektüre der aggregierten Tweets bei (haha, wie passend:) rivva.

    Zudem verkennt Robert glaube ich gerade den Zusammenhang zwischen ihm als Persönlichkeit & dem Projekt Buzzriders. Wenn er sagt „Überlegungen ob meiner Online-Reputation sind zwar nett und amüsant zu lesen, aber irrelevant für Buzzriders.“ – dann mag das für ihn so sein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Außenwirkung ähnlich ist. Das hat für mich auch wenig mit „Negativ-Gelaber“ externer Beobachter zu tun. Als Beispiel ein kleiner, (wie immer hinkender) Vergleich. Welche Person verbindet man mit folgenden Unternehmen?

    Apple, Microsoft, trnd, Xing, myOnID.

    Es würde mich wundern, wenn nicht Steve Jobs, Bill Gates, Martin Oetting, Lars Hinrichs und Mario Grobholz beim Großteil der Leser genannt werden. Und so (ähnlich) verhält es auch mit Buzzriders/Robert Basic.

    Die persönliche Reputation so leicht auf’s Spiel zu setzen & sich als (für mich) zentrale Persönlichkeit vom Projekt so weit abzukoppeln ist imho leichtsinnig. Gute Kommunikation geht jedenfalls anders…

    Um wieder zu Hannes Kommentar zu kommen: Lassen wir ihn spielen. Ich werde das Projekt im Auge behalten – aber irgendwann ist Interesse & Toleranz auch erschöpft. Oder um es mit Meedia zu sagen: Langsam nervt’s.

    schrieb Markus am 21. Januar 2010 um 00:43

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